Internationale Klosterfrau-Forschungspreise 2024 - Zwei Nachwuchsforschende für herausragende Arbeiten im Bereich der Kinderlungenheilkunde prämiert

Die Klosterfrau Healthcare Group verlieh am 15.03.2024 in Bochum zwei Forschungspreise für international hervorstechende Arbeiten auf dem Gebiet der Kinderlungenheilkunde. Den mit 30.000 Euro dotierten „International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood 2024“erhielt Dr. med. Simon Graeber von der Charité Universitätsmedizin Berlin für seine Arbeit zum Effekt einer speziellen Tripel-Therapie bei Mukoviszidose und deren sensitiver Behandlungskontrolle im Praxisalltag. Der mit 20.000 Euro dotierte Research Grant ging an Denby Evans vom Telethon Kids Institute im australischen Perth. Ausgezeichnet wurde die Doktorandin für ihre Arbeit zum Einfluss einer inhalativen Behandlung auf die Lungenfunktion von Kindern, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Beide Forschungsarbeiten haben laut Jury das Potenzial, die ärztliche Entscheidungsfindung zum Wohl der betroffenen Kinder künftig entscheidend mitzugestalten.

Bereits zum 24. Mal zeichnen die internationalen Forschungspreise der Klosterfrau Healthcare Group wissenschaftliche Arbeiten aus, die einen wichtigen Beitrag zur Erforschung, Diagnose oder Behandlung von kindlichen Atemwegserkrankungen leisten. Die Preisverleihung fand am 15. März in Bochum statt.

 

THERAPIEEFFEKTE BEI MUKOVISZIDOSE SENSITIVER ERFASSEN

Die besser als Mukoviszidose bekannte zystische Fibrose ist eine erbliche Multiorganerkrankung. Sie betrifft etwa eines von 1.500 Neugeborenen in Deutschland. In 85 Prozent der Fälle liegt der Erkrankung eine Mutation des CFTR-Gens (Cystic Fibrosis Transmembrane Regulator-Gens) zugrunde. Durch diese genetische Veränderung wird in der Lunge, im Verdauungssystem und in anderen Organen zähflüssiger Schleim produziert, der nur noch schwer abtransportiert werden kann und die Organe schädigt. Behandelt wird die Mukoviszidose unter anderem durch Medikamente. In bestimmten Fällen werden dazu ärztlicherseits Dreifachkombinationen eingesetzt. Das Therapieansprechen und die Entwicklung der Erkrankung können bei Mukoviszidose beispielsweise anhand von Lungenfunktionswerten wie der Einsekundenkapazität im Vergleich zum Durchschnitt (prozentuales vorhergesagtes forciertes Erstsekundenvolumen, ppFEV1) kontrolliert werden. Dazu ist diese Methode allerdings nur begrenzt geeignet. Die Bestimmung des Lung Clearance Index (LCI) und die bildgebende Magnetresonanztomographie (MRT) können bei Mukoviszidose relevante ergänzende Informationen liefern, durch die die Wirksamkeit der eingeschlagenen Behandlungsroute sensitiver beurteilt werden kann. 

 

THERAPEUTISCHE EFFEKTE ANHAND NEUER METHODEN IN DER PRAXIS BESTÄTIGT

Dr. med. Simon Graeber von der Charité Universitätsmedizin Berlin untersuchte in seiner preisgekrönten Arbeit erstmalig die Effekte der Tripel Therapie anhand des LCI, sowie auch mittels MRT. Auf diese Weise konnten nicht nur positive Auswirkungen der Behandlung auf die Lungenbelüftung gezeigt werden, sondern auch auf die typischen Veränderungen im Lungenaufbau bei Mukoviszidose – einschließlich der durch Schleim verstopften Atemwege und verdickten Atemwegswände. Durch die Verwendung der neuen ergänzenden Validierungsmethoden könnten auch in zukünftigen Studien wichtige zusätzliche Informationen über Veränderungen hinsichtlich Lungenfunktion und -aufbau unter der Mukoviszidosetherapie gewonnen werden.

LUNGENFUNKTION VON SEHR FRÜHGEBORENEN VERBESSERN – DOCH WIE?

Weltweit werden jedes Jahr rund 2 Millionen Kinder vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren. Bei diesen sehr früh Geborenen treten häufig Lungenerkrankungen und Beeinträchtigungen der Lungenfunktion auf. Die Forschung beschäftigt sich in diesem Zusammenhang seit Jahren mit einer bestimmten Wirkstoffgruppe, den sogenannten inhalativen Kortikosteroiden (ICS). Echte Empfehlungen konnten auf Grundlage der bisher vorliegenden Daten allerdings nicht ausgesprochen werden.

WISSEN UM DIE EFFEKTE INHALATIVER KORTIKOSTEROIDE ERWEITERT

Die im März 2024 von der Klosterfrau Healthcare Group mit dem Grant prämierte Arbeit widmet sich ebendieser Fragestellung: Die Doktorandin Denby Evans vom Telethon Kids Institute im australischen Perth untersuchte in einer klinischen Studie zwölf Wochen lang die Effekte inhalativer Kortikosteroide auf die Lungenfunktion von Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren, die vor der 32. Schwangerschaftswoche entbunden wurden und unter einer mit der Frühgeburt verbundenen Lungenerkrankung litten. Dabei profitierten insbesondere solche Kinder von inhalativen Kortikosteroiden, die auf bronchienerweiternde Medikamente ansprachen – und zeigten signifikante Verbesserungen des forcierten Ausatemvolumens. In Kombination mit den Daten einer früheren Studie steigern diese Ergebnisse das Wissen um den therapeutischen Nutzen dieses Therapieansatzes bei sehr früh geborenen Kindern mit Lungenerkrankungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren. 

Die Jury des International Klosterfrau Group Award sieht in beiden prämierten Forschungsarbeiten großes Potenzial: Sie könnten die ärztliche Entscheidungsfindung im Bereich der Kinderlungenheilkunde künftig entscheidend mitgestalten – zum Wohl der betroffenen Kinder.

PRÄMIERTE ARBEITEN:

Graeber SY, Renz DM, Stahl M, Pallenberg ST, Sommerburg O, Naehrlich L, Berges J, Dohna M, Ringshausen FC, Doellinger F, Vitzthum C, Röhmel J, Allomba C, Hämmerling S, Barth S, Rückes-Nilges C, Wielpütz MO, Hansen G, Vogel-Claussen J, Tümmler B, Mall MA, Dittrich AM. Effects of Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor Therapy on Lung Clearance Index and Magnetic Resonance Imaging in Patients with Cystic Fibrosis and One or Two F508del Alleles. Am J Respir Crit Care Med. 2022 Aug 1;206(3):311-320. doi: 10.1164/rccm.202201-0219OC. PMID: 35536314.

Urs RC*, Evans DJ*, Bradshaw TK, Gibbons JTD, Smith EF, Foong RE, Wilson AC, Simpson SJ. Inhaled corticosteroids to improve lung function in children (aged 6-12 years) who were born very preterm (PICSI): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Child Adolesc Health. 2023 Aug;7(8):567-576. doi: 10.1016/S2352-4642(23)00128-1. Epub 2023 Jun 26. PMID: 37385269. *geteilte Erstautorenschaft

ÜBER DEN KLOSTERFRAU GROUP AWARD:

Auf Initiative von Prof. Dietrich Reinhardt wird seit 2001 der jährliche „International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood” verliehen. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis zeichnet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die durch ihre Forschungs­ergebnisse einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie von kindlichem Asthma bronchiale geleistet haben. Ein mit 20.000 Euro dotierter optionaler Research Grant wird verliehen, wenn eine weitere Arbeit besonders auszeichnungswürdig erscheint.

 

DER KLOSTERFRAU GROUP AWARD LIEGT UNS SEHR AM HERZEN.

Für ihre Arbeit über Auswirkungen von geringer bis moderater Luftverschmutzung im zweiten Schwangerschafts­trimester auf die Lungen­funktion von Frühgeborenen – und damit auf das Risiko einer chronisch obstruktiven Lungen­erkrankung (COPD) im Erwachsenenalter, erhielt Frau Dr. med. Dr. sc. med. Fabienne Decrue den „Klosterfrau Group Award 2023“. Den zusätzlich vergebenen Research Grant der Klosterfrau Group erhielt Prof. Dr. med. Dr. nat. med. Miguel A. Alejandre Alcázar. In seiner Arbeit konnte er zeigen, dass Adipositas um die Geburt herum die Lungen­entwicklung beeinflusst und zu chronischen Lungen­erkrankungen führen kann.

Der Pädiater Senne Cuyx, erhält den „Klosterfrau Group Award 2022“ für seine Forschungsarbeit zur Feststellung einer Funktionsstörung des CFTR-Proteins mittels der bildlichen Analyse von rektalen Organoiden bei Mukoviszidose. Der vielversprechende Ansatz erweitert die Möglichkeiten für eine Diagnose. Der „Klosterfrau Group Research Grant 2022“ wird der Veterinärmedizinerin Wendy Fonseca verliehen. Die Forscherin zeigte im Maus-Modell den Einfluss des mütterlichen Darmmikrobioms auf die Immunität der Nachkommen bei Respiratorische Synzytial-Virus (RSV)-Infektionen. Die Modulation des Darmmikrobioms der Mutter durch das Probiotikum Lactobaccillus johnsonii konnten bei den Neugeborenen den Schutz der Atemwege bei RSV-Infektionen verbessern.

Für die zukunftsweisende Identifikation von Mechanismen der Immunabwehr, die schon in früher Kindheit zu einem umweltvermittelten Asthma-Schutz beitragen, wurde Johanna Theodorou, Doktorandin an der Ludwig-Maximilians Universität München mit dem Klosterfrau Group Award 2021 ausgezeichnet. Die Preisträgerin identifizierte im Rahmen ihrer Forschung an der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital München ein entzündungshemmendes Protein als möglichen zukünftigen Biomarker.

Für ihre wegweisenden Forschungen zur Genchirurgie der Cystischen Fibrose (CF) mithilfe einer weiterentwickelten Form der CRISPR*-Cas-Technik wurde die Doktorandin Giulia Maule von der Universität Trento, Italien, mit dem „International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood 2020“ ausgezeichnet. Diese Ergebnisse könnten den Weg für eine effektive Behandlung von Erkrankungen bereiten, die auf Spleiß-Mutationen beruhen.

Den „International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood 2019“ erhielt Dr. Shu Mei Teo, deren Ergebnisse bisherige Vorstellungen von kindlichen Atemwegsinfekten und der Entwicklung eines Asthma bronchiale auf den Prüfstand stellen. Der „International Klosterfrau-Group Grant for Research of Airway Diseases in Childhood 2019“ ging an Dr. Mirjam Stahl für ihre Forschung zur Untersuchung und Therapieüberwachung der Mukoviszidose im Säuglingsalter.

Virus-Erkrankungen sind besonders für Asthma-Patienten gefährlich. Vor allem durch Erkältungsviren können sich die Symptome deutlich verschlechtern. Der Forscher Simon Phipps aus Queensland/Australien hat nun einen neuen Therapieansatz entdeckt, der das möglicherweise verhindert. Für seine Forschung wurde Phipps mit dem Klosterfrau Group Award 2018 ausgezeichnet.

Am 31. März 2017 wurde anlässlich der 39. Jahrestagung der Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie der Klosterfrau-Forschungspreis 2017 in zwei Kategorien verliehen. Der erste Platz ging an den Pädiater Erick Forno, MD, MPH, vom Children’s Hospital der University of Pittsburgh. Der Forscher fand heraus, dass es bei Kindern einen Zusammenhang zwischen Adipositas, Asthma und Dysanapsis gibt.